Radtour Tagebau Hambach: Arnolds‘ Ritt

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Fahrräder vor dem Aussichtspunkt „Haus am See“

Mehr als 30 Menschen waren am vergangenen Sonntag der Einladung von Deine Freunde, RADKOMM und energieliga.org gefolgt [1] und trafen sich mit ihren Fahrrädern, gefüllten Packtaschen und einem schwer beladenen Fahrradanhänger vor dem Bahnhof in Merzenich. Die Menschen kamen aus Köln, Aachen und der Umgebung. Bei schönstem Sonnenschein fuhren wir über verschiedene Stationen in den Hambacher Wald, um dort die Spenden für die Menschen abzuliefern, die im Wald leben.

Für den Hambacher Wald setzen sich inzwischen viele Menschen auf verschiedenen Ebenen ein. Der Landesverband NRW des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat vor dem Verwaltungsgericht Köln Klage eingereicht. Am 21. November fand die mündliche Verhandlung statt. Am morgigen Freitag, den 24. November soll das Urteil verkündet werden [2]. Kommt zahlreich!

24.11.2017, 10 Uhr, Saal 1, Verwaltungsgericht Köln, Appelhofplatz, Zugang über Burgmauer

Und jetzt zurück zur Radtour.

GPX: Fahrradtour Merzenich Regierungsbezirk Köln
https://www.gpsies.com/map.do?fileId=riubcapvhmzeynfj

Arnolduskapelle in Arnoldsweiler

Unsere erste Station war die Arnolduskapelle in Arnoldsweiler. Eine Schwester vom Schervier Orden [3] erwartete uns dort und gab uns eine sehr sachkundige Führung durch das geschichtsträchtige Bauwerk [4]. Sie erklärte uns u.a. die Bedeutung der Fresken von Peter Hecker.

Fresken-Kapelle

Die Fresken in der Kapelle erzählen die Geschichte des Heiligen Arnoldus, der sich vor mehr als 1.000 Jahren dafür eingesetzt haben soll, dass Kaiser Karl der Bevölkerung Nutzungsrechte im sogenannten Bürgewald gewährt [5]. Als Dank wurde die Kapelle gebaut und der Ort nach ihm benannt. Die begünstigten Gemeinden erbrachten darüber hinaus bis ins 19. Jahrhundert hinein den sogenannten Wachszins. Bürger*innen von Manheim ließen den Brauch wieder aufleben und bringen seit 2013 wieder eine Kerze in die Kapelle. Seit 2012 befindet sich Manheim in der Umsiedlung [6]. Nach dem 3. Rahmenbetriebsplan von RWE soll der mehr als 1.000 Jahre alte Ort dem Tagebau weichen. Zusammen mit dem benachbarten Morschenich und dem letzten Rest des Bürgewaldes [7].

Kohlebunker und Hambachbahn

Über Ellen führte uns der Weg zu einer Eisenbahnbrücke. Von der Brücke aus hatten wir freien Blick zum Verladebahnhof Niederzier mit dem Kohlebunker. Für den Kohletransport zu den Kraftwerken Niederaußem und Neurath sowie den Kraftwerken in der Kölner Region hat RWE ein eigenes Schienennetz installiert, auf der ausschließlich die sogenannte Hambachbahn fährt. Das Schienennetz wurde wegen des voranschreitenden Tagebaus zusammen mit der alten A4 weiter nach Süden verlegt. Deutlich zu sehen sind die Kohlespuren neben den Schienen, auf denen die Bahn den Bahnhof verlässt. Auf den benachbarten Schienen kommen die leeren Waggons zurück.

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Tagebau Hambach

Dann folgten wir den Schildern zum Aussichtspunkt „Haus am See“ [8]. Während wir in das überdimensionale Loch schauten, informierten uns mehrere Menschen über Details zum Tagebau Hambach. Der Aufschluss des Tagebaus begann im Jahr 1978. Die Bagger graben sich nach Süden vor. Im Norden erreicht die Abraumhalde inzwischen eine Höhe von ca. 300 Metern. RWE nennt die Halde Sophienhöhe [9]. Im Süden ist der letzte Rest des Hambacher Waldes zu sehen. Um den dunklen Kohleflöz in einer Tiefe von bis zu 450 Metern zu erreichen, graben die Bagger auf sieben Solen. Auf jeder Arbeitsfläche befinden sich Laufbänder, die den Abraum wegschaffen. Absetzer vor der Sophienhöhe verkippen den Abraum. Auf der anderen Seite des Kohlekraters sind neben dem Aussichtspunkt „:terra nova“ die Kraftwerksblöcke von Niederaußem und Neurath zu sehen. Die Entfernung zwischen dem Aussichtspunkt „Haus am See“ und dem Aussichtspunk „:terra nova“ beträgt ca. sieben Kilometer. Der Tagebau nimmt aktuell eine Betriebsfläche von ca. 4.300 Hektar ein [10]. Das entspricht der Innenstadt von Köln und noch etwas mehr [11]. RWE plant, den Tagebau bis 2040 zu nutzen. Danach soll das Loch mit Wasser gefüllt werden. Der 50 Kilometer entfernte Rhein soll dazu angezapft werden. Niemand weiß, ob das funktionieren kann. In der Lausitz gibt es große Probleme mit Hangabstürzen, Versauerung der Gewässer und Vergiftung des Grundwassers [12]. Und dabei ist in der Lausitz kein Loch so tief wie die Löcher im Rheinischen Revier. Noch eine Ergänzung zur angeblichen Subventionsfreiheit: Für die Verlegung der Autobahn A4 wurde mehr als die Hälfte der Investition aus Landesmitteln bestritten. Das ist nur ein Beispiel von vielen, wie die Braunkohle direkt und indirekt subventioniert wird [13]. Um die Klimaschutzziele von Deutschland einzuhalten, müsste an der alten A4 – der Roten Linie – Schluss sein [14].

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Morschenich

Die beiden Ortschaften Manheim und Morschenich befinden sich aktuell in Umsiedlung. Manheim seit dem Jahr 2012 und Morschenich seit dem Jahr 2015. Manheim-Neu ist ein Vorort von Kerpen, Morschenich-Neu ist ein Vorort von Merzenich. Morschenich wurde das erste Mal im Jahre 1158 urkundlich erwähnt [15]. Von der Umsiedlung sind in Morschenich ca. 500 Menschen und in Manheim ca. 1.500 Menschen betroffen.

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Hambacher Wald

Die Tour endete schließlich im Hambacher Wald. Der Wald wächst dort seit 12.000 Jahren. Ein einzigartiges Ökosystem hat sich dort entwickelt. Es leben dort mehrere geschützte Arten wie z.B. die Bechsteinfledermaus. Viele Bäume sind mit grüner Farbe markiert: Ein F für Fledermaus und eine Zahl. Sobald die Höhlen in den Bäumen zugeklebt wurden, wird diese Markierung durchgestrichen. Was mit den Fledermäusen passiert, die jetzt nicht mehr in die Höhlen kommen, weiß niemand. Entsprechend markierte Bäume dürfen gefällt werden, weil ja keine Fledermäuse mehr darin leben. So trägt RWE dem Fledermausschutz Rechnung [16].

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Im Wald und auf einer angrenzenden Wiese leben seit 2012 Menschen, die den Wald vor Abholzung bewahren wollen [17]. Diesen Menschen haben wir unsere Spenden übergeben. RWE und die Polizei Aachen bereiten sich derweil auf die Rodungen vor.

Quellen

  1. https://www.facebook.com/events/1945439385704392/
  2. https://www.bund-nrw.de/themen/braunkohle/hintergruende-und-publikationen/braunkohlentagebaue/hambach/bund-klage-gegen-hambach/
  3. http://schervier-orden.de/site/gemeinschaft/ordensstruktur/konvente.php
  4. https://energieliga.wordpress.com/2017/10/01/burgewaldgemeinden-arnolduskapelle/
  5. https://energieliga.wordpress.com/2017/09/18/burgewaldgemeinden-wem-gehort-der-wald/
  6. https://www.dickbusch.de/article/3584
  7. http://www.rwe.com/web/cms/mediablob/de/1232522/data/60012/2/rwe-power-ag/energietraeger/braunkohle/standorte/tagebau-hambach/Wesentliche-Inhalte.pdf
  8. Aussichtspunkt Freizeitgelände RWE „Haus am See“
    https://goo.gl/maps/afU9Df4vd2F2
  9. https://de.wikipedia.org/wiki/Sophienh%C3%B6he
  10. http://www.rwe.com/web/cms/de/60012/rwe-power-ag/energietraeger/braunkohle/standorte/tagebau-hambach/
  11. https://twitter.com/chfinke/status/852983354978914304
  12. Kohlelandschaft Lausitz: Die Nebenwirkungen des Bergbaus https://www.youtube.com/watch?v=g0uiey8PlHk
  13. https://energieliga.wordpress.com/2017/09/20/faktencheck-zur-bundestagswahl-kohleausstieg/
  14. https://www.bund-nrw.de/themen/braunkohle/aktiv-werden/rote-linie-hambach/
  15. https://de.wikipedia.org/wiki/Morschenich
  16. http://www.rwe.com/web/cms/de/2870852/rwe-power-ag/energietraeger/braunkohle/umweltschutz/geschuetze-lebensraeume-fuer-tiere-und-pflanzen/
  17. https://hambacherforst.org/besetzung/

Weitere Berichte und Fotos zur Radtour

 

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